Anlagepolitik 4. Quartal 2025

Rückblick

Beim Blick auf die Aktienmärkte reibt man sich die Augen; waren die ersten zwei Quartale des Jahres noch überwiegend positiv gestimmt, so hat der Börsenzug im dritten Quartal vollends Fahrt aufgenommen. Fast alle Börsenplätze glänzen durch ihre starken Zuwächse. Dabei ist das Umfeld nicht rosig. In vielen Ländern spitzen sich politische Konflikte zu, um von den verschiedenen kriegerischen Auseinandersetzungen nicht zu reden. Während manche Industrien (wie diejenigen speziell der US-KI-Branche) von Top-zu-Top eilen, fallen andere Sektoren (deutsche Chemie- und Autowerte) stark zurück. Deutschland, der wirtschaftliche Motor Europas, gerät durch verschiedene Krisen in Rückstand, während Frankreichs fiskalpolitische Konflikte unlösbar erscheinen. Guter Rat ist teuer, um die Regierungsstabilität ist es nicht bestens bestellt. Nicht nur Europa muss die Hausaufgaben erledigen, auch in China ziehen dunkle Wolken auf: Der dortige Staatskapitalismus müsste vorherige Finanzierungsexzesse, als noch aus dem Vollen geschöpft wurde, wieder ins Lot bringen.

Der Weltaktienindex MSCI stieg seit Jahresbeginn auf 16.1% (ein Anstieg um +7.5% nur im dritten Quartal). Deutlich erholt haben sich die US-Aktienmärkte, der US-Technologieindex Nasdaq Composite avancierte auf 17.3% (+10.4% im dritten Quartal), der breitgefasste S&P 500 auf 13.7%, (+8.2% im dritten Quartal). Damit hielt die Kursentwicklung in Europa nicht ganz mit. Der repräsentative EuroStoxx 600 wuchs auf 10.0% (+3.5% im dritten Quartal), der deutsche DAX stagnierte bei 19.9%

(-0.2% im dritten Quartal). Der Schweizer SMI machte einen Fortschritt auf 4.3% (+1.6% im dritten Quartal). Die Entwicklung in Asien präsentiert sich heterogen, der japanische Nikkei erholte sich auf 11.8% (+5.0% im dritten Quartal), Hong Kong glänzte (erneut) mit 34% zum Quartalsende (+13.9% im dritten Quartal), China entwickelte sich gut bei 15% (+12.7% im dritten Quartal). Die detaillierte Übersicht über die Börsenindizes befindet sich in der Beilage.

Die Entwicklung der verschiedenen Branchen verlief einmal mehr sehr unterschiedlich. Die Finanz- und die Technologiewerte zeigten überdurchschnittliche Zuwächse, Aktien der Rüstungsbranche waren auch stärker gesucht, dagegen blieben die Titel der Gesundheits- und Konsumgütersektoren zurück.

Im festverzinslichen Bereich fokussierten sich die Ereignisse vor allem auf den weiteren Verlauf der Inflation. Die Notenbanken versuchten, mit den Daten mitzuhalten: die europäische Zentralbank hat wohl bald den Tiefstand ihrer Zinssenkungen erreicht, während die USA erst kürzlich die Zinsen leicht gesenkt haben. Die 10jährigen US-Staatsanleihen notierten mit 4.18% leicht tiefer und bestätigen damit den Trend des Jahres. Die deutschen Bundesanleihen liegen bei 2.72% in einem leichten Aufwärtstrend. Die CH-Eidgenossen sind weiter tief bei 0.16%, der Leitzins bleibt bei Null Prozent.

Der Abwärtsdruck auf den US-Dollar hielt weiter an, der Verlust stellt sich im bisherigen Jahresverlauf gegenüber Euro bzw. CHF (historischer Tiefstand) auf -12%.

Die Aufwärtsbewegung des Goldes setzte sich (fast spektakulär) fort, der Goldpreis notiert knapp 50% über dem Jahresendstand (USD-Basis). Platin und Silber sind ebenfalls stark gefragt. Der Ölpreis hingegen schwächte sich weiter ab und liegt um 12% unter dem Niveau zum Jahresbeginn.

Standortbestimmung

Die Anleger haben es trotz der Börsenhausse nicht leicht dieses Jahr. Einerseits erscheinen die Firmenbewertungen bereits recht hoch. Dazu kommt die Ankündigung der neuen US-Handelspolitik, welche die Finanzmärkte vor neuartige Fragen stellt. Aber andere brisante Themen werden noch ausgeblendet. Ausufernde Staatsdefizite, zusammen mit der immer noch latenten Inflation, machen die Anleger zusehends nervös. Schwindelerregende Schuldenberge und, im Falle der USA, die neuen Handelszölle, welche die Inflation zusätzlich ansteigen lassen werden, drücken die langfristigen Finanzierungskosten nach oben. Frankreich bekommt bereits einen rechten Vorgeschmack darauf zu spüren, was die Folgen der ansteigenden Risikoprämien für Staatspapiere am Markt sein können. Diese reichen in das aktuelle Regierungsgeschehen hinein und verhindern einen ausgewogenen Staatshaushalt. Andere Länder (Deutschland) befinden sich zusätzlich noch in einer Regulierungsflut gefangen und finden die Kraft noch nicht, diesen Ballest abzuwerfen. Zu guter Letzt verharrt das Wirtschaftswachstum in tiefen Regionen, die Nachfrage nach Industriegütern ist gesunken.

Auch auf der Firmenstufe ist nicht alles im Reinen. Während die US-Technologiebranche in einem wahren Höhenflug ist, kämpft in Europa z.B. die Autobranche mit dem starken Wettbewerb, meist aus China. Aber auch hausgemachte Probleme kommen dazu. Bei vielen deutschen Unternehmen sind Umsatz- und Gewinnziele verfehlt worden, aber selten so stark wie in der Autoindustrie. Verschiedene spezifischen Faktoren (hohe Lohn- und Stückkosten, Elektroenergie) trugen dazu bei, sowie die teuren Energiepreise und regulatorische Vorgaben.

Das globale Wirtschaftswachstum bleibt im langjährigen Vergleich zwar eher bescheiden, doch der Privatkonsum kann für eine Zeit lang die tiefere Nachfrage nach Industriegütern kompensieren. Die USA taten sich mit der Beurteilung der Inflation eher schwer, deshalb kam ihre Leitzinssenkung relativ spät. Dagegen ist Europa bereits fast am Ende der Zinssenkungen, vor dem Hintergrund des abnehmenden Inflationsdrucks.

 Ausblick

 Für die weitere Entwicklung der Finanzmärkte beurteilen wir die verschiedenen Chancen und Risiken in folgender Weise:

Chancen:

  • Eine nachhaltige Entkrampfung des Handels- und Zollkonfliktes würde den Wirtschaftsausblick deutlich aufhellen und die Inflationsperspektiven verbessern.
  • Mit positiven Nachrichten von den Unternehmen bleiben die Börsen gut abgestützt.
  • Tiefe Inflation bleibt attraktiv für Investitionen in Wertschriften. Der tiefe Dollarkurs hilft den US-Exporteuren.

Risiken:

  • Die neue US-Handelspolitik und die Zölle erweisen sich als Hemmschuh für weiteres Wachstum. Exporteure aus Europa, Japan und China verlieren in den USA Marktanteile. Die Lieferketten funktionieren weniger gut als zuvor. Das Wirtschaftswachstum verliert noch mehr Momentum.
  • Die Finanzmärkte könnten angespannt bleiben und auf kleine Auslöser reagieren, wie etwa auf den steigenden Bedarf an Schuldenaufnahme zur Deckung der Staatshaushalte in den USA und Europa. Ein anderes Szenario sähe die Bewertung der Aktienmärkte oder einzelner Sektoren der Märkte als ausgereizt an, höhere Kurse wären nur durch eine Ausweitung der Unternehmensgewinne gerechtfertigt, oder es käme zu einer Bereinigung der Überbewertungen.
  • Die mittlerweile gestiegenen geopolitischen Unsicherheiten halten weiter an.

Anlagepolitische Konklusionen:

  • Aktienengagements werden im unteren Bereich der definierten Bandbreiten gehalten. Eine offensive Positionierung drängt sich im aktuellen Zeitpunkt der gestiegenen Unsicherheiten nicht auf.
  • Qualitätsaktien von Unternehmen mit hoher Preissetzungskraft, solider Ertragskraft und gesunden Bilanzen, sowie eine vernünftige Diversifikation über verschiedene Sektoren, bilden den Kern unserer Portfolios.
  • Festverzinsliche Anlagen fokussieren auf kurze bis mittlere Restlaufzeiten.
  • Goldinvestitionen profitieren von der anhaltend starken Nachfrage. Wir halten an den bestehenden Engagements fest. Wir sehen im Gold nach wie vor eine klassische «Absicherung» gegen verschiedene Risiken und vertrauen auf die höhere Bewertung.

 

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