Anlagepolitik 4. Quartal 2020

Rückblick

Das dritte Quartal war an den meisten Aktienmärkten von einer Seitwärtsbewegung gekennzeichnet, wobei es in den letzten Wochen zu erhöhter Volatilität und Kursrückschlägen gekommen ist, nachdem die Märkte im Juli und August recht gut gelaufen waren. Die Notenbanken und Regierungen sorgten mit ihren massiven Unterstützungsprogrammen für den Fortbestand des expansiven Rahmens. Ein weiteres Konjunkturpaket blieb allerdings im US-Kongress stecken, auch dies könnte mit ein Grund für die ins Stocken geratene Rally sein.

Insbesondere die US-Indizes haben im dritten Quartal Fortschritte verzeichnet, etwa der breit gefasste Standard & Poor‘s 500 um +8.6% und der Dow Jones um +7%. Der technologielastige Nasdaq Index stieg im Quartal um +13.5%. Dagegen verblassten die europäischen Börsen mit meist negativen Resultaten, wie etwa der Eurostoxx 600 bei einem leichten Verlust von -1.2%. Der Weltaktienindex MSCI legte im dritten Quartal auch mit +7% zu und konnte seine Performance für den Jahresverlauf auf +0.4% heben. Der Börsenüberblick mit den Wertentwicklungen ausgewählter Aktienmärkte im bisherigen Jahresverlauf ist in Beilage 1 angefügt.

Auf Branchen- und Sektorebene liegen die Technologiewerte weiterhin an der Spitze der Kursentwicklung, gefolgt von Pharma- und stabilen Konsumgütervaloren. Unter anhaltendem starken Abwärtsdruck befinden sich die fossilen Energiewerte, auf tiefem Niveau etwas stabilisieren konnten sich die Bank-, Versicherungs- und Automobilaktien.

Im Anleihenmarkt entwickelten sich die Renditen im Berichtsabschnitt weitgehend seitwärts, die 10-jährigen US-Staatsanleihen weisen eine, nach der starken Bewegung am Ende des ersten Quartals, Verfallrendite von 0.65% auf (Ende 2019: 1.9%), die deutschen und schweizerischen Bundespapiere bzw. Eidgenossen verharrten weiterhin innerhalb enger Bandbreiten im negativen Renditebereich von rund -0.5%.

Leichte Aufwertungen verzeichneten der Euro und CHF gegenüber dem US$, der Goldpreis erhöhte sich weiter und liegt seit Jahresstart um 25% (US$-Basis) höher. Das Gold hat sich über die vergangenen Jahre als sehr werthaltige Portfolioergänzung erwiesen. Weitgehend seitwärts bewegte sich über das vergangene Quartal der Ölpreis, der Jahresverlust beträgt aber immer noch hohe 40%.

Standortbestimmung

Die gute Nachricht vorweg: die Weltwirtschaft setzt ihren Anstieg aus der tiefen Delle der Coronakrise fort. Das Wachstum im dritten Quartal fiel ohne Zweifel stark aus und wird mindestens einen Teil des Rückgangs des ersten Halbjahres wieder aufholen. Die weniger gute Nachricht lautet, dass die kräftige wirtschaftliche Erholung zusehends an Kraft verliert. So haben sich die monatlichen Zuwachsraten bei Produktivität, Konsum und Handel zuletzt deutlich zurückgebildet, teilweise sind sie sogar gänzlich zum Erliegen gekommen. Die Notenbanken lassen jedoch keinen Zweifel aufkommen, ihre expansive Geldpolitik noch lange Zeit fortzuführen. So hat die US-Notenbank klar zum Ausdruck gebracht, die Leitzinsen auf aktuellem Niveau bis ins Jahr 2023 beizubehalten. Zusätzlich hat sie sich bereit erklärt, einen vorübergehend stärkeren Inflationsanstieg ohne eine sofort gekoppelte Zinserhöhung zu akzeptieren.

Eigentlich könnte die Anlegerwelt damit weitgehend in Ordnung sein. Der Ausblick wird jedoch auch von einigen Unsicherheiten getrübt. Sind die Kurse an den Finanzmärkten nicht etwa der wirtschaftlichen Realität vorausgeeilt, damit die Bewertungen nach traditionellen Kennzahlen etwas zu hoch geraten? Dazu tritt gerade Anfangs Oktober die Sorge wegen steigender Neuinfektionen und die Furcht vor einem erneuten Lockdown. Schliesslich ist die Ungewissheit um den Wahlausgang in den USA ein weiterer gewichtiger Unsicherheitsfaktor. Anders als üblich sorgen sich die Anleger dieses Jahr nicht nur über den US-Wahlausgang an sich, sondern über die Wahl selbst. Ein umstrittener Wahlausgang mit einem langen Auszählprozess, eventuellen Nachzählungen und potentiellen Gerichtsprozessen könnten wochenlange Verzögerungen mit sich bringen und sogar einen geordneten Machtwechsel infrage stellen. Erinnerungen an die Wahl im Jahr 2000 werden wach, als das Ergebnis umstritten war und das oberste Gericht eingreifen musste. Der US-Aktienmarkt geriet damals unter beträchtlichen Abgabedruck.

Ausblick

Für die weitere Entwicklung der Finanzmärkte beurteilen wir die Chancen und Risiken in folgender Weise:

Chancen:

  • Die einzigartigen geld- und fiskalpolitischen Massnahmen für Unternehmen und Arbeitnehmer verhindern schlimmere Auswirklungen der Pandemie und sorgen für einen Wachstumsschub.
  • Zinserhöhungen sind bis auf weiteres auszuschliessen.
  • Die starke Aktienmarkterholung wurde weitgehend von wenigen Technologiewerten geprägt, „zurückgebliebene“ Titel haben Aufholpotential.

Risiken:

  • Die jüngsten Konjunkturdaten signalisieren eine abnehmende wirtschaftliche Dynamik. Einzelne Branchen leiden nach wie vor stark unter den anhaltenden Kontakt- und Bewegungseinschränkungen.
  • Die anhaltende Divergenz der Aktienmarktentwicklung im Vergleich zur realen Wirtschaftswelt ist schwer erklärbar und beunruhigend. Mangelnde Anlagealternativen und die massiven Liquiditätsimpulse stellen zwar valable Argumente für die Flucht der Anleger in die Aktien dar, müssen aber langfristig durch konkrete Fakten abgestützt werden.
  • Die bevorstehenden US-Wahlen führen zu höherer Marktvolatilität und Verunsicherung.
Anlagepolitische Konklusionen:
  • Wir halten an unserer insgesamt defensiven Anlagepolitik fest. Rückschritte sind nicht auszuschliessen. Eine ausgewogene und gut diversifizierte Portfoliostruktur sorgt dafür, die Risiken abzufedern.
  • Wandelanleihen haben sich in der jüngsten Marktphase als eine vergleichsweise risikoreduzierte Anlageklasse bewiesen.
  • Festverzinsliche Anlagen bleiben weiterhin deutlich untergewichtet. US-Anleihen mit kürzeren Restlaufzeiten bilden einen stabilisierenden Portfoliobestandteil.
  • Goldanlagen dienen weiterhin als klassischer „Risikopuffer“ mit starkem Wertbeitrag.

US-Staatsanleihen