Rückblick
Das zweite Quartal 2026 brachte den Finanzmärkten die ersehnte Erholung. Die im Monat Februar eingetretenen Kursverluste aufgrund des Iran-Kriegs konnten im Laufe des Quartals weitgehend wettgemacht werden. Insbesondere im März zeichnete sich die starke Erholung ab, im Verlauf des Mais/Junis verflachten die Kursverläufe wieder. Obwohl die Aussichten auf die volle Wiederherstellung des Zustands wie vor dem Krieg recht unklar blieben, wollten die Märkte nicht vom Optimismus lassen. Die Beurteilung des endgültigen Ergebnisses der kriegerischen Auseinandersetzungen liegt aller Erfahrung nach noch etwas weit in der Zukunft, denn die unbegrenzte Versorgung mit Öl, die Freiheit der Schifffahrt auf den Weltmeeren und der Zugang zu den verschiedenen Märkten sind noch nicht endgültig in trockenen Tüchern. Man gewinnt fast den Eindruck, von den starken Schwankungen des Preises her gesehen, dass die Abhängigkeit des Westens vom Zugang zu Öl nie grösser war als heute.
Die Resilienz der Finanzmärkte gegenüber den verschiedenen Grossereignissen weltweit ist immer wieder erstaunlich. An aktuellen Beispielen mangelt es bestimmt nicht, die aufzeigen, wie am Markt immer wieder die Zuversicht Oberhand gewinnt. Trotz Erwartungen an die steigende Inflationsrate, die ja meist zu höheren Inflation und danach höheren Zinsen führt, steigen an den Börsen die Kurse, als ob eine eher leichte Zinspolitik ins Haus stünde. Bis jetzt aber sind die wichtigsten Wirtschaftszahlen, wie etwa die Angaben zu den Arbeitsplätzen, die Bankenkredite und Konsumausgaben spezielle in den USA noch auf Expansionskurs. Solange die Preise für das Rohöl nicht wieder für längere Zeit in die Höhe schiessen, wie noch im Zeitraum März bis Mai, dürfte der Druck nachlassen.
Der Weltaktienindex MSCI erholte sich deutlich nach dem Kurstief am Ende des ersten Quartals um +12.8%, damit resultierte ein gutes Gesamtergebnis von +8.9% zur Jahresmitte. Insbesondere der US-Technologieindex Nasdaq Composite drehte im zweiten Quartal voll auf, legte um +19.9% zu, was das Jahresresultat auf +12.8% stellte. Der breitgefasste S&P500 kam am zweiten Quartalsende auf +9.6%. In Europa erholten sich die führenden Indizes nach dem schweren Startquartal, der repräsentative STOXX Europe 600 mit +8.4%, der Dax auf +2.1%. Der Schweizer SPI stieg auf +9.9%, ein relativ sehr gutes Resultat. Manche Märkte in Asien zählen im bisherigen Jahresverlauf zu den besten Performern und bügelten die erste Delle rasch aus, der japanische Nikkei stieg auf +40.3%, und insbesondere Korea auf +97%. Hongkong dagegen fiel auf -10.7%, China stabilisierte sich auf +3.2%. Die detaillierte Übersicht über die Börsenindizes befindet sich in der Beilage.
Das Sektor- bzw. Branchenbild zeigt eine überdurchschnittliche Wertentwicklung bei den Titeln, die mit der KI im Zusammenhang stehen, die Datenverarbeitung setzte sich deutlich an die Spitze (+22%), gefolgt von der Energie (mit +19%) und der allgemeinen Industrie (mit +15%). Die Sektoren der Grundstoffe und Versorger hielten sich knapp bei +10%, diejenigen der Konsumgüter, der Finanzwirtschaft, der Gesundheitsindustrie sowie der Telekommunikation fielen zurück.
Die festverzinslichen Anleihen sahen sich einem ungünstigen Umfeld gegenüber, gekennzeichnet von teureren Ölpreisen, und den Komplikationen aus der Blockade von Hormuz. Dies wurde im allgemeinen als Inflationstreibend verstanden, so dass mit der ersten Leitzinserhöhung durch die EZB Mitte Juni (seit über zwei Jahren) der vorherrschende Trend abgelöst wurde. Interessanterweise änderten sich die Marktpreise für die jeweiligen Staatspreise eher in die leichtere Richtung. Die Renditen der US-Papiere belaufen sich zur Jahresmitte auf 4.4%, ein leichtes Plus seit Jahresanfang, dagegen sind diejenigen Deutschlands bei 2.89%, diejenigen der Schweiz bei 0.29%, seit Jahresbeginn leicht rückläufig.
Der US-Dollar stabilisierte sich, nach der Abwertung im ersten Quartal, und notierte gegenüber dem Euro und CHF leicht höher.
Der Goldpreis unterlag heftigen Kursschwankungen, befand sich aber im zweiten Quartal in einem klaren Abwärtstrend, dies entgegen landläufiger Meinung, dass Gold eine gute Absicherung gegen politische Krisen sei, der Kurs war ca. -7% unter dem vom Jahresbeginn. Der Ölpreis war vor dem Hintergrund des Krieges um den Iran starken Schwankungen ausgesetzt, es verbleibt ein Plus von 20% seit Jahresanfang.
Standortbestimmung
Die finanzpolitischen Auguren tun sich schwer mit einer klaren Stellungnahme. Nach der jüngsten EZB-Zinserhöhung Mitte Juni wurde die aktuelle anziehende Inflationsrate als Begründung gewählt. Dies bezog sich nicht nur auf die Öl- und Energiepreise, sondern auch auf die enger definierte sog. Kerninflation, also auf die Preise für Lebensmittel, Dienstleistungen und andere Produkte. Die Angaben für den Mai waren mittlerweile auf über 3.2% angestiegen, deutlich über dem EZB-Ziel von 2%. EZB-Kritiker hatten argumentiert, die schwache Konjunktur und die zurückhaltende Nachfrage würden sozusagen der EZB die Arbeit wieder abnehmen, also die Inflation von selbst wieder nach unten drücken. Die EZB sah dies offenbar anders. Marktteilnehmer rechnen für dieses Jahr noch mit einer Zinsanhebung für dieses Jahr. Der Finanzmarkt rechnet mit diesen Vorgaben und hat damit die möglichen Zinserhöhungen für dieses Jahr bereits eingepreist, und zeigt sich angesichts der jüngsten Börsengewinne recht selbstbewusst.
Bemerkenswerterweise hat Trumps Zollkrieg der Weltwirtschaft insgesamt bisher wenig geschadet. Die globale Wirtschaftsleistung wächst nach wie vor zufriedenstellend. Außerdem steht die Revision der der Zollverfügungen vor dem obersten Gerichtshof an, mit offenem Ausgang.
Ausblick
Für die weitere Entwicklung der Finanzmärkte beurteilen wir die verschiedenen Chancen und Risiken in folgender Weise:
Chancen:
- Die laufenden Friedensverhandlungen im Nahen Osten haben bereits zu einer deutlichen Entspannung der Energiepreise geführt. Eine dauerhafte Öffnung der Strasse von Hormuz würde die Lage weiter entspannen.
- Die Unternehmensresultate fallen insgesamt über den Erwartungen aus und bilden eine Stütze für die Börse.
- Mit einer Kursänderung bei den US-Zöllen würde die bisher gedämpfte Nachfrage nach Auslandsprodukten neu angekurbelt werden.
Risiken:
- Die europäischen Länder stecken in einer regelrechten Reformkrise. Die deutsche Regierung hat soeben zaghafte Maßnahmen beschlossen. England und Frankreich stehen noch aussen vor und müssten sich wenigstens in die richtige Richtung bewegen.
- Insbesondere Frankreich stellt ein Sorgenkind der Finanzmärkte dar, u.a. angesichts der erdrückenden Staatsverschuldung, deren hoher Schuldendienst z.B. die Ausgaben für Verteidigung deutlich überholt hat. Auch der Aktienmarkt will nicht so recht vom Fleck kommen.
- Die hohen Bewertungsprämien der KI-Unternehmen könnten sich als überhöht erweisen.
Anlagepolitische Konklusionen:
- Aktienengagements werden im unteren Bereich der definierten Bandbreiten gehalten. Trotz der überdurchschnittlichen Unsicherheiten (mit der Iran-krise) haben sich die Bewertungen im zweiten Quartal erhöht. Dies spricht für die langfristige Stärke der Aktien und die gehaltenen Positionen.
- Qualitätsaktien von Unternehmen mit hoher Preissetzungskraft, solider Ertragskraft und gesunden Bilanzen, sowie eine vernünftige Diversifikation über verschiedene Sektoren, bilden den Kern unserer Portfolios.
- Festverzinsliche Anlagen fokussieren auf beste Bonitäten und kurze bis mittlere Restlaufzeiten. Auch bei steigenden Renditen bleibt vorläufig die Attraktion der Anleihen gegenüber den Aktien begrenzt.
- Wir halten an den Gold-Engagements fest. Wir sehen im Gold trotz allem eine klassische «Absicherung» gegen verschiedene Risiken und können uns eine Konsolidierung durchaus vorstellen.

