Anlagepolitik 3. Quartal 2025

Rückblick

Auf den ersten Blick betrachtet, präsentieren sich die Finanzmärkte in guter Form am Ende des zweiten Quartals 2025. Auf den zweiten Blick erkennt man mögliche Schwachstellen. Die Anfang April durch die US-Zollankündigung ausgelöste Kurskorrektur an den Aktienmärkten erwies sich als vorübergehend, die Finanzmärkte entwickelten sich in der Berichtsperiode insgesamt erstaunlich positiv und notieren nahe an ihren historischen Höchstständen. Die geopolitischen und latenten Handelskonflikte scheinen die Marktteilnehmer kaum zu beunruhigen. Einerseits wird davon ausgegangen, dass die höheren Zölle fast keinen Preiseffekt für die Konsumenten verursachen werden, weil die Unternehmen in ihren Preisen genügend Marge haben, um diesen Schlag abzufedern. Auf der anderen Seite wird argumentiert, dass es Zeit braucht, bis sich die erhöhten Zölle in den Preisen zeigen. Der vorausge­­gangene hohe Aufbau von Lagerbeständen kann hierbei als Puffer dienen. Skeptiker weisen aber darauf hin, dass ein Anstieg der US-Zölle „nur“ auf 10% bereits eine Verdreifachung im Vergleich zum Ausgangspunkt wäre.

Der Weltaktienindex MSCI zeigte sich in diesem eher ungewohnten Umfeld im zweiten Quartal sehr zuversichtlich, stieg seit Jahresbeginn auf +9.8% (nach dem schwachen Ergebnis bei -2.3% im ersten Quartal). Deutlich erholt haben sich die US-Aktienmärkte, der US-Technologieindex Nasdaq Composite avancierte auf +5.5% (nach -10.4% per Ende März), der breitgefasste S&P500 ebenfalls auf +5.5%. Etwas verhaltener verlief die Kursentwicklung in Europa, notabene nach dem besseren ersten Quartal. Der repräsentative EuroStoxx 600 legte (weniger deutlich) auf +7.6% zu (nach +5.2% im ersten Quartal), der deutsche DAX wuchs stark auf +20.1% (nach +11.3% per Ende März). Der Schweizer SMI schwächte sich im Vergleich zum letzten Quartalsende auf (enttäuschende) +2.8% leicht ab. Die Ent­wicklung in Asien präsentiert sich heterogen, der japanische Nikkei erholte sich auf +1.5% (nach -10.7%), Hong Kong glänzte mit +20.0%, China hingegen entwickelte sich verhalten (+3.1%).

Die detaillierte Übersicht über die Börsenindices befindet sich in der Beilage.

Die Entwicklung der verschiedenen Branchen verlief einmal mehr sehr unterschiedlich. Finanz- und Rüstungswerte zeigten überdurchschnittliche Zuwächse, Aktien des Gesundheitssektors blieben zurück, die Werte des Technologiesektors (man denke an die Hausse der Big-7 im vorigen Jahr) entwickelten sich sehr unterschiedlich.

Im festverzinslichen Bereich fokussierten sich die Ereignisse vor allem auf den kurzfristigen Laufzeitenbereich, indem die europäische Zentralbank sowie die Schweizerische Nationalbank den Zinssenkungsprozess fortsetzten. Renditen auf 10-jährigen US-Staatsanleihen notierten mit 4.2% leicht unter dem Jahresendstand (4.6%), die deutschen Bundesanleihen liegen dagegen leicht höher bei 2.6% (nach 2.3% zum Jahresbeginn). Die CH-Eidgenossen sind mit 0.3% wieder nahe der „Nulllinie“.

Der Abwärtsdruck auf den US-Dollar hielt weiter an, mittlerweile notiert die US-Valuta im bisherigen Jahresverlauf gegenüber Euro bzw. CHF (historischer Tiefstand) um -11.8% respektive -12.2% tiefer.

Die Aufwärtsbewegung des Goldes setzte sich spiegelbildlich zum Verfall des US-Dollars fort, der Goldpreis notiert knapp 25% über dem Jahresendstand. Der Ölpreis hingegen schwächte sich nach einer kurzen Aufwärtsbewegung (Angriff von Israel und den USA auf Iran) weiter ab und liegt um 9% unter Vorjahr.

Standortbestimmung

Welche Ziele verfolgt der US-Präsident mit dem Handelskrieg? Eine Ansicht lautet, damit ein „faires“ Handelssystem zu etablieren. Dabei gehe es aber nicht nur um Zölle, sondern auch um nichttarifäre Handelshemmnisse der EU und China. Die Zollerhöhung könnten daher voraussichtlich temporär sein. Eine andere Sichtweise argumentiert, die Hauptziele seien, mehr Einnahmen zu erzielen, um die inländischen Steuern senken zu können und Produktionsaktivitäten in die USA zurückzuholen. Dieser Ansicht nach würden die hohen Zölle bleiben.

Am 9. Juli läuft die 90-tägige Karenzfrist der per Anfang April angekündigten reziproken Zölle aus, die in Aussicht gestellten Handelsabkommen sind mit Ausnahme von Grossbritannien und China bisher ausgeblieben. Die bisher bekannten konkreten Ergebnisse lassen die großen Fortschritte aber noch nicht erkennen. Die mancherorts hochgeschaukelte Rhetorik lässt auf komplizierte Verhandlungen schließen. Eine Fristverlängerung scheint sehr wahrscheinlich vor der Einigung mit den wichtigsten Handelsparteien. Die Importzölle dürften jedoch nicht unter 10% fallen, was für Firmen und Konsumenten auf Dauer eine Belastung darstellen dürfte.

Außerordentlich beunruhigend präsentiert sich die Marktsituation des amerikanischen Staatsanleihenmarktes. Durch die stark steigende US-Staatsverschuldung wird das Anlegervertrauen in diesen größten Markt für Sparer und institutionelle Anleger mehr und mehr strapaziert. Parallel zeigt sich das sinkende Vertrauen in den US-Dollar – als Leit- und Reservewährung – in den massiven Goldkäufen von Zentralbanken. Der anhaltende Konflikt zwischen dem Weißen Haus und der US-Notenbank belastet die Märkte weiterhin. Eine Lösung zeichnet sich noch nicht ab.

Das globale Wirtschaftswachstum ist im langjährigen Vergleich zwar eher bescheiden, doch der solide Privatkonsum hat mit den steigenden Löhnen und der tiefen Arbeitslosigkeit ein starkes Fundament. Für Rückenwind sorgten zudem die abnehmende Inflation und die anhaltenden Leitzinssenkungen der Notenbanken (Ausnahme USA).

Ausblick

 Für die weitere Entwicklung der Finanzmärkte beurteilen wir die verschiedenen Chancen und Risiken in folgender Weise:

Chancen:

  • Eine nachhaltige Entkrampfung des Handels- und Zollkonfliktes würde den Wirtschaftsausblick deutlich aufhellen und die Inflationsperspektiven verbessern.
  • Die über lange Zeit anhaltende relative Unterbewertung der europäischen Aktienmärkte birgt weiteres Aufholpotential.
  • Die deutliche Korrektur im US-Technologiebereich hat die Überbewertung weitgehend korrigiert.

Risiken:

  • Der Paradigmenwechsel in der Wirtschafts- und Finanzmarktordnung, ohne erkennbaren „Ersatz“, unterminieren das Wirtschaftswachstum und machen die Angebotsseite weniger flexibel. Dazu gehört auch die Beschädigung der globalen Lieferketten.
  • Höhere Risikoprämien für US-Staatsanleihen würden sich auf die Bewertung anderer Anlegeklassen negativ auswirken.
  • Die geopolitischen Unsicherheiten bleiben ungelöst und halten weiter an.

Anlagepolitische Konklusionen:

  • Aktienengagements werden im unteren Bereich der definierten Bandbreiten gehalten. Eine offensive Positionierung drängt sich im aktuellen Zeitpunkt der gestiegenen Unsicherheiten nicht auf.
  • Qualitätsaktien von Unternehmen mit hoher Preissetzungskraft, solider Ertragskraft und gesunden Bilanzen, sowie eine vernünftige Diversifikation über verschiedene Sektoren, bilden den Kern unserer Portfolios.
  • Festverzinsliche Anlagen fokussieren auf kurze bis mittlere Restlaufzeiten.
  • Goldinvestitionen profitieren von der anhaltend starken Nachfrage. Wir halten an den bestehenden Engagements fest. Wir sehen im Gold nach wie vor eine klassische «Absicherung» gegen verschiedene Risiken.

Beilage

                                                                           Deutsche Staatsanleihen

                                                                                                                                                                                   (Quelle: UBS Quotes)