Anlagepolitik 3. Quartal 2021

Rückblick

Nachdem das erste Quartal 2021 an den Finanzmärkten noch eher verhalten gestartet war und durchaus verschiedene Signale geschickt hatte, stellte sich die Frage, ob die positive Stimmung aufgebraucht war oder noch eine Weile vorherrschen würde. Zu Beginn des zweiten Quartals zeichnete sich die wirtschaftliche Erholung vor dem Hintergrund der Erfolge der Impfkampagnen immer klarer ab. Neue Wolken von der Preisfront, insbesondere von den Rohstoffen her, drohten das Szenario jedoch wieder zu verdüstern, wie würden wohl die Zentralbanken darauf reagieren? Diese hatten auch in der Tat viel Überzeugungsarbeit zu leisten, denn ein verfrühtes Anspringen der Inflation mit den möglichen Folgen durch einen Zinsanstieg und eine dadurch ausgelöste Belastung des Aufschwungs war ein denkbar ungünstiges Szenario. So hat auch etwa das US-Fed verstärkt und wiederholt darauf hingewiesen, auf die rein vorübergehende Natur der Inflationsmeldung zu achten. Insbesondere deshalb wollte das Fed nichts von einem geldpolitischen Kurswechsel wissen. Ähnlich klang es auch von der Europäischen EZB. Wie zur Bestätigung sind die Renditen an den wichtigsten Märkten in der Zwischenzeit rückläufig. Die Weltwirtschaft wächst nach wie vor stark, die Finanzmärkte nahmen etwas Tempo weg.

Der Weltaktienindex MSCI stieg im zweiten Quartal auf +12.2%, der amerikanische S&P 500 auf +14.4%, sowie der Technologieindex Nasdaq Composite auf +12.5%. Die europäischen Börsen hielten durchaus mit, so stieg der deutsche DAX (+13.2%), der französische Markt wuchs ausserordentlich stark (+17.2%), auch der breit gefasste Eurostoxx 600 (+13.5%) war gut unterwegs. Die Schweizer Börse legte dank des Zwischenspurts im Juni auch stark zu +15.1% (SPI). In Asien blieb der chinesische Markt (Shanghai SSE) mit +3.7% abgeschlagen, im Gegensatz zu Taiwan (+20.2%). Japan konnte den guten Lauf des Vorquartals nicht verlängern (+4.6%), Hongkong hielt sich unverändert (+5.9%). (Die detaillierte Übersicht über die Börsenindizes befindet sich in der Beilage).

Die Sektor- bzw. Branchenbetrachtung zeigt, wie im ersten Quartal, überdurchschnittliche Zuwächse bei den Aktien der Energie- (+32%) und der Finanzbranche (+27%). Dahinter platzierte sich die Industrie der Grundstoffe (+18%) und der Technologie (+18%). Darauf folgten die Aktien der Kommunikations-, der immobilien- und der Industriebranche (mit jeweils etwa +17%), kurz dahinter die Branchen des zyklischen und des nicht-zyklischen Konsums (+14.0%), sowie die Gesundheitsbranche (+14%). Etwas abgeschlagen landeten die Versorger bei Werten unterhalb von +5% zum Halbjahr.

Die Renditen auf Staatsanleihen setzten ihren Anstieg im zweiten Quartal nicht mehr fort, im Gegenteil, nach dem ersten Quartal waren sie weiter rückläufig. Die 10-jährigen US-Staatsanleihen reduzierten ihren einstmals starken Zuwachs auf «nur» noch 53 Basispunkte, verzeichneten eine Rendite von 1.44% bei jetzt wieder sinkender Tendenz. Bei den deutschen Staatsanleihen und Eidgenossen zeichnete sich dieselbe Richtung ab, die Bundesanleihe rentierte weniger als noch am Ende des ersten Quartals mit -0.23%, die Eidgenossen ganz ähnlich bei -0.24%, eine Renditeverbesserung bei den Bundesanleihen um 34 Basispunkte, bei den Eidgenossen um 24, seit Jahresbeginn.

Der USD verlängerte seinen guten Lauf des ersten Quartals und legte zu den wichtigsten Währungen wieder zu. Zum Euro resultierte dabei ein Plus von knapp 3%, zum Franken eines von 4.3%. Vor dem Hintergrund der starken Märkte (Aktien und Währungen) gab das Gold etwa 6% im ersten Halbjahr (nach einer vorübergehenden Erholung im Mai) nach. Dagegen stieg der Ölpreis zum Halbjahressende mit einem Plus von knapp 50% (für Nordsee-Brent). Der breit gestreute Rohstoffindex wuchs mit über 20%.

Standortbestimmung

Trotz der üblichen Unsicherheiten blicken die Finanzmärkte auf ein sehr zufriedenstellendes erstes Halbjahr zurück. Die wirtschaftliche Erholung schreitet mit guten Schritten vorwärts. Der vielerorts mit Argusaugen beobachtete globale Einkaufsmanagerindex für die Industrie (PMI) fiel nach einem 11-Jahreshoch im Mai per Ende Juni knapp zurück, auf das Niveau von 55.5 Punkten. Die Schwelle von 50 Punkten steht für wirtschaftliche Expansion, sie wird aktuell deutlich überschritten. Dabei bleiben zwei Wermutstropfen, zum einen die bestehenden Engpässe bei der Produktion weltweit (Lieferkettenunterbrüche), zum anderen stehen die Industrieländer davor, sich von den wachstumsschwächeren Schwellenländern wieder abzukoppeln.

Gerade in der Zeit des wirtschaftlichen Aufbruchs darf man jedoch die Entwicklung des Corona-Virus nicht ganz aus den Augen zu lassen. Einerseits steht die sehr erfreuliche und erfolgreiche Impfkampagne in vielen Ländern unmittelbar davor, das Leben wieder zu öffnen und damit Konsum und Touristik und andere Branchen wieder kräftig zu befeuern. Genau in diese Situation drücken aber die verschiedenen Meldungen über neue und aggressive Virenmutationen sowie neue Ansteckungsherde in verschiedenen Ländern in den Vordergrund. Es bleibt zu hoffen, dass dadurch der Aufschwung nicht wieder zunichte gemacht wird.

Für den Moment haben die Zentralbanken ihre Bereitschaft zur expansiven Geldpolitik bekräftigt, viele Regierungen haben mit den Mitteln der Fiskalpolitik verschiedenste Branchen großzügig gefördert. Weitere Fiskalimpulse, z. B. in den USA, sind in Sicht. Somit können die Finanzmärkte davon ausgehen, dass die vorteilhaften Rahmenbedingungen andauern werden. Damit dürften die guten Aussichten auf lange Zeit gesichert sein, die Renditen tief bleiben und die Aktien im Fokus der Anleger bleiben.

 

Ausblick

Für die weitere Entwicklung der Finanzmärkte beurteilen wir die verschiedenen Chancen und Risiken in folgender Weise:

Chancen:

  • Die ausserordentlich expansiven geld- und fiskalpolitischen Massnahmen sind die Basis für die bisherigen Börsenverläufe und die weitgehend spannungsfreien Finanzmärkte. Die weltwirtschaftliche Erholung hängt vom Covid-Abflauen starker Konsumentennachfrage ab.
  • Die Bewertungen der Aktien erreichen nach dem fortlaufenden Anstieg neue Spitzenwerte. Die hohe Bewertung rechtfertigt sich bei starkem Verlauf der Weltwirtschaft.

Risiken:

  • Das Virus und seine Mutationen bleiben hartnäckig. Das Wachstum erfüllt die Erwartungen nicht.
  • Die Bewertung der Märkte stösst an Grenzen. Die Gewinne können nicht mithalten. Weitere Stimulierung durch Regierungen und Zentralbanken sind gefragt.
  • Die Vorzeichen der Inflation sind stärker als gedacht, was zu vorgezogenen Zinserhöhungen führt.

Anlagepolitische Konklusionen:

  • Die bestehende, wohlausgewogene Allokation ohne Übergewichtung der Aktienquote wird beibehalten. Trotz aller Vorbehalte bleiben Aktien und Immobilien (mangels Alternativen) gesucht. Die eingetretene Sektorrotation hat die zurückgebliebenen Titel gestärkt.
  • Qualitätsaktien aus den Sektoren Konsum, Industrie und Technologie bilden nach wie vor grundlegende Bestandteile unserer diversifizierten Aktienportfolios. Dividendenstarke Titel sind bevorzugt (auch zur Kompensation eines ausbleibenden Zinsertrags).
  • Wir schätzen die Wandelanleihen weiterhin wegen ihrer Anpassungsfähigkeit an verschiedene Marktlagen.
  • Festverzinsliche Anlagen bleiben angesichts der nicht zufriedenstellenden Renditen deutlich untergewichtet. Das Risiko einer deutlichen Zinswende halten wir für klein, dies haben die Zentralbanken jüngst wieder klar unterstrichen.
  • Die Goldengagements bilden, trotz volatiler Preisentwicklung im ersten Halbjahr, einen wichtigen Portfoliobestandteil. Das Gleiche gilt für die Rohstoffe, die allerdings einen guten Lauf gezeigt haben, insbesondere für die Bewertung des Öls.