Anlagepolitik 3. Quartal 2021

Rückblick

Nachdem die Aktienmärkte gegen Ende August neue historische Höchststände erreicht hatten, drückten in der Folge verschiedene belastende Faktoren auf die Stimmung der Anleger. Neben der Angst vor einer Immobilienkrise in China und dem sich abzeichnenden Ende der ultralockeren Geldpolitik, sorgten die Debatte um die Schuldenobergrenze im US-Kongress und Bedenken hinsichtlich des zukünftigen Wirtschaftswachstums für einen turbulenten Herbstbeginn.

Der Weltaktienindex MSCI verzeichnete im bisherigen Jahresverlauf einen Anstieg um 11.8%, der amerikanische S&P 500 um 14.7%, sowie der Technologieindex Nasdaq Composite um 12.1%. Ähnliche Zuwächse erzielten die europäischen Börsen, so stieg der deutsche DAX um 11.2%, der französische Markt um starke 17.4 % und der breit gefasste Eurostoxx 600 um 13.1 %. In vergleichbarer Grössenordnung war auch die Schweizer Börse unterwegs (+12.9%). In Asien hingegen blieb der chinesische Markt (SZE Composite) mit +2.0% und Hongkong (Hang Seng Index) mit -9.8% abgeschlagen, etwas besser hielt sich Japan mit +4.9%. (Die detaillierte Übersicht über die Börsenindizes befindet sich in der Beilage).

Die Sektor- bzw. Branchenbetrachtung zeigt überdurchschnittliche Zuwächse bei den Aktien der Energie-, Finanz- und Technologiebranche; Versicherer, Versorger und Konsum hingegen weisen vergleichsweise unterdurchschnittliche Entwicklungen auf.

Die Renditen auf Staatsanleihen tendieren seit Mitte Jahr weitgehend seitwärts, die 10-jährigen US-Treasuries rentierten per Ende September 1.45% (Jahresende 2020 0.9%), die deutschen Staatsanleihen und die Eidgenossen verzeichneten Verfallrenditen von -0.23% (-0.58%) bzw. -0.16%
(-0.49%).

Der USD behielt seine Stärke gegenüber den wichtigsten Währungen bei, zum Euro resultierte ein Plus von 4.5%, zum Schweizer Franken eines von 5%. Im Umfeld steigender Aktienmärkte verlor Gold etwas an Terrain und notiert rund 8% unter dem Jahresendstand (USD-Basis). Im Gegensatz dazu setzte der Ölpreis seinen fulminanten Kursanstieg fort und verzeichnet einen Preisanstieg von über 50% seit Jahresbeginn. Der diversifizierte Rohstoffindex legte rund 35% zu.

Standortbestimmung

Die aktuellen Indikatoren in den USA, Europa, Japan und verschiedenen Schwellenländern deuten auf ein solides, leicht beschleunigtes konjunkturelles Wachstum hin. In China wirkt die durch den Immobilienkonzern Evergrande ausgelöste Krise stark dämpfend. Allerdings lockert die chinesische Zentralbank ihre Geldpolitik deutlich und dürfte, zusammen mit Liquiditätsspritzen, unkontrollierte Folgen verhindern. Ein Überschwappen der Probleme auf andere Sektoren und das Ausland dürfe damit entfallen.

Die weltweit zu lockere Geldpolitik passt eigentlich nicht mehr zum fundamentalen Umfeld eines global soliden Wirtschaftswachstums. Die Folgen zeigen sich bei ausgetrockneten Arbeitsmärkten, zunehmendem Lohndruck, stark steigenden Immobilienpreisen sowie höheren Inflationserwartungen. Verschärft wird dieses Szenario zusätzlich durch hartnäckige weltweite Lieferkettenprobleme, die wohl erst mittel- bis längerfristig behoben werden können.

Eine derzeit intensiv diskutierte Frage betrifft die weitere Inflationsentwicklung. Die wichtigsten Notenbanken und viele Ökonomen sind davon überzeugt, dass die Inflation nur ein vorübergehendes Phänomen ist. Hauptverantwortlich für den derzeitigen Teuerungsschub sind denn auch vor allem der Basiseffekt nach dem letztjährigen Wirtschaftseinbruch sowie weltweite Lieferengpässe und ein weltweiter Mangel an Komponenten (Halbleiter). Dieser Argumentation wird entgegengehalten, dass mit der Alterung der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter die Rentner nicht mehr zur Produktion des gesamtwirtschaftlichen Angebots beitragen, aber weiter konsumieren. Dadurch müssen die Preise fast zwangsläufig steigen. Zudem sorgt der Arbeitskräftemangel für Lohndruck nach oben. Letztlich führt auch der Aufbau robusterer Lieferketten zwangsläufig zu höheren Kosten.

Ausblick

Für die weitere Entwicklung der Finanzmärkte beurteilen wir die verschiedenen Chancen und Risiken in folgender Weise:

Chancen:

  • Die expansiven Geld- und fiskalpolitischen Massnahmen halten weiter an, erste Signale einer behutsamen Normalisierung sind jedoch klar ersichtlich.
  • Das solide Wirtschaftswachstum bildet die Basis für die anhaltende Verbesserung der Unternehmensergebnisse.
  • Das Abflauen der Covid-Wellen ist für den späteren Jahresverlauf denkbar. Positive Folgen für die Wirtschaft wären die Folge.

Risiken:

  • Die Bewertung der Aktienmärkte ist hoch und lässt sich nur mit weiter steigenden Unternehmensresultaten rechtfertigen.
  • Der langjährige Zinssenkungszyklus neigt sich langsam dem Ende zu. Unerwartet höhere Inflationsraten würden diesen Prozess beschleunigen.
  • Das Virus und seine Mutationen sind unverändert ein hoher Unsicherheitsfaktor, mit potentiell negativen Implikationen auf das Wirtschaftswachstum.

Anlagepolitische Konklusionen:

  • Die bestehende, wohlausgewogene Allokation ohne Übergewichtung der Aktienquote wird beibehalten. Trotz aller Vorbehalte bleiben Aktien und Immobilien (mangels Alternativen) gesucht.
  • Qualitätsaktien aus den Sektoren Konsum, Industrie und Technologie bilden nach wie vor grundlegende Bestandteile unserer diversifizierten Aktienportfolios. Dividendenstarke Titel sind bevorzugt (auch zur Kompensation eines ausbleibenden Zinsertrags).
  • Festverzinsliche Anlagen bleiben angesichts der nicht zufriedenstellenden Renditen deutlich untergewichtet. Das Risiko einer Zinswende hat zugenommen.
  • Die Goldengagements bilden, trotz jüngst mässiger Preisentwicklung, einen wichtigen Portfoliobestandteil. Das Gleiche gilt für die Rohstoffe.