Anlagepolitik 3. Quartal 2020

Rückblick

Im Laufe des zweiten Quartals stellte sich eine kräftige Gegenbewegung an den meisten Aktienmärkten ein. Damit wurden die gröbsten Verluste des vorherigen Kurseinbruchs vom ersten Quartal ausgeglichen. Diese Erholung beruht zumeist auf den ausserordentlichen Massnahmen vieler Regierungen und Zentralbanken weltweit auf die Folgen des Covid-19 Einbruchs. Zu den vielseitigen und unmittelbaren Folgen des Lockdowns gehörte die praktisch vollständige Lähmung des internationalen Reiseverkehrs und der damit verbundene bodenlose Absturz des Ölpreises. Die Aktienmärkte waren trotz verschiedenster Hiobsnachrichten in Kauflaune, was den meisten Märkten eine beispiellose Erholung bescherte, aber oft nur eine Reduktion der vorher eingefahrenen Verluste erlaubte. Der Weltaktienindex MSCI erholte sich bis Ende Juni auf -6.6%, der amerikanische S&P500 wieder auf -4.0%, dagegen ist der US Technologieindex Nasdaq Composite mit einer Performance von +11.8% der absolute Star aller Börsen. Die europäischen Börsen gewannen ebenfalls dazu und radierten auf diesem Weg einen Grossteil der vorherigen Verluste aus, der breit gefasste Index Eurostoxx 600 bis auf -13.3%, der deutsche Dax auf -7.1%, sowie der französische Markt bei -17.4%. Die Schweizer Börse (der SPI) stellte das Resultat auf (vergleichbar gute) -3.1% ein. Unter den asiatischen Börsen verharrte Hongkong relativ tief im Minus bei -13.3%, Japan weniger dramatisch bei -6.5%, während Shanghai immerhin bis -1.4% vorrücken konnte. Die detaillierte Übersicht über die Börsenindizes befindet sich in der Beilage.

Die unterschiedlichen Entwicklungen auf Branchen- und Sektorebene waren geprägt von einem regelrechten Einbruch der fossilen Energiewerte, mit nachfolgender teilweiser Erholung. Die Bank-, Versicherungs- und Automobilaktien, die auch einen starken Einbruch verzeichnet hatten, erholten sich zwar, stehen aber noch weit unter ihren Niveaus von vor der Krise. Sehr gut entwickelte sich die Technologiebranche (Trend zum Home Office), und relativ gut hielten sich die Pharma- und stabilen Konsumgütervaloren.

Auch die Anleihen waren von der Marktentwicklung geprägt, wobei sich das zweite Quartal eher ohne weitere Verwerfungen entwickelte. Die Ankündigung der Notenbanken, die Finanzmärkte und die Realwirtschaft mit einer beispiellos grossen Geldmenge zu überfluten, führte bei den 10jährigen Staatsanleihen der USA zu einem Renditerückgang auf 0.68% (Ende 2019: 1.9%), die deutschen Bundespapiere weiteten ihre Negativrendite auf -0.48% (versus -0.19% zu Jahresende aus), die Eidgenossen verharrten mit -0.35% ebenfalls im negativen Bereich.

Erstaunlich ruhig blieb es bei den Währungen, diesmal mit leichten Aufwertungen des Euro gegenüber dem US$ und dem CHF. Das Gold festigte seine Position weiter und stand Ende Juni bei einem Plus von +15%.

Auch beim Erdöl ging die erste Panik vorbei, die Erholung nach dem Preissturz von 65% seit Jahresbeginn reduzierte den Verlust auf -39% bis Ende Juni.

Standortbestimmung

Die Markterholung der vergangenen drei Monate war zwar sehr willkommen, ist aber nicht ganz mustergültig verlaufen. In der Tat haben die Zentralbanken massive Unterstützung bereitgestellt, wie noch nie. Jedoch gab es auch sehr unterschiedliche Kursentwicklungen von verschiedenen Branchen. Durch den einseitigen Fokus auf bestimmte Hightech- und Pharma-Titel ist nicht die ganze Bandbreite des Marktes an der Erholung beteiligt gewesen. Manche Titel sind deshalb näher an ihren Kursen von dem Zeitpunkt unmittelbar vor der Krise als andere. Deshalb kommen verschiedene Kommentatoren zu dem Schluss, dass die Börse überteuert und abgehoben von den Fundamentaldaten sei. Die Rückschritte bei der Globalisierung und der Nachfrageeinbruch infolge des Virus werde die Ergebnisse der Firmen direkt betreffen. Trotz der momentanen Bedenken, die mit einer Zahl von schlechten Statistiken untermauert werden kann, scheinen aber die Märkte eher eine langfristige Erholung einzupreisen. Hier treibt offenbar die Unterstützung durch die Notenbanken („do not fight the Fed“) und die Hoffnung auf eine halbwegs rasche Konjunktur die Stimmung der Anleger und die Aktienkurse an und für sich, dies trotz einiger verbleibender Skepsis in Bezug auf die Entwicklung der Konjunktur über die kommenden 12 Monate. Die weitere Entwicklung der Covid-19 Pandemie bleibt als grosse Unbekannte.

Die Notenbanken und Regierungen rund um den Globus haben noch nie dagewesene Hilfsmassnahmen veranlasst. Zinssenkungen, der unbegrenzte Aufkauf von Staatsanleihen, Wertpapierkäufe der Notenbanken sowie das Angebot zusätzlicher Kreditlimiten für die Geschäftsbanken haben die befürchteten Liquiditätsengpässe verhindert. In einer zweiten Phase sollen die konjunkturellen Hilfestellungen, staatliche Hilfspakete und Liquiditätsspritzen das Wirtschaftswachstum wieder anschieben. Die Arbeitslosigkeit der USA ist nicht auf das befürchtete Niveau angestiegen, sondern die Öffnung nach dem Lockdown und die verschiedenen fiskalpolitischen Pakete haben zu einem Rekord an Neueinstellungen geführt. Obwohl die Epidemie noch bestimmt für einzelne unwillkommene Bremsmanöver sorgen wird, dürfte damit der Neustart gelungen sein.

Ausblick
Für die weitere Entwicklung der Finanzmärkte beurteilen wir die Chancen und Risiken in folgender Weise:

Chancen:

  • Die einzigartigen geld- und fiskalpolitischen Hilfen für Unternehmen und Arbeitnehmer verhindern schlimmere Auswirkungen der Pandemie.
  • Zinserhöhungen sind auf längere Zeit auszuschliessen.
  • Die Hightech Aktien stehen nach der zwischenzeitlichen Erholung wieder auf hohen Niveaus, doch gibt es auch „zurückgebliebene“ Titel, die noch nicht aufgeholt haben.

Risiken:

  • Die Erholung aus der Rezessionsphase kann länger dauern als gedacht. Die Pandemiebekämpfung bindet weitere Ressourcen.
  • Die Schulden und Finanzierungsmassnahmen der Staaten können nicht überall problemlos finanziert werden.
  • Die rasche Erholung der Finanzmärkte kann der Realität zu weit vorausgeeilt sein, weitere Konsolidierungsphasen sind nicht ausgeschlossen.

Anlagepolitische Konklusionen:

  • Nach der Erholung der Märkte ist weiterhin Vorsicht angesagt. Rückschritte sind nicht auszuschliessen. Eine ausgewogene Portfoliostruktur sorgt dafür, die Risiken abzufedern. Der Fokus bleibt auf Qualitätstiteln. Dank der Unterstützung durch die Zentralbanken sind die Märkte vorerst gut gestützt. Ein nachhaltig anspringender Wirtschaftsmotor würde die Gewinnentwicklung der Unternehmen weiterbringen.
  • Wandelanleihen haben sich in der jüngsten Marktphase als eine vergleichsweise risikoreduzierte Anlageklasse bewiesen.
  • Festverzinsliche Anlagen bleiben weiterhin deutlich untergewichtet. US-Anleihen mit kürzeren Restlaufzeiten bilden einen stabilisierenden Portfoliobestandteil.
  • Goldanlagen dienen weiterhin als klassischer „Risikopuffer“.

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