Anlagepolitik 3. Quartal 2019

Rückblick

Nach dem sehr starken ersten Quartal brachte das zweite für die meisten Aktienmärkte eine weitere Verlängerung des Trends, mit teilweise deutlichen Zuwächsen im Vergleich zum ersten Quartal. Der Monat Mai brachte allerdings einen unerwarteten (und heilsamen?) Rücksetzer, der allerdings durch einen starken Juni wieder aufgefangen werden konnte. Wie bereits öfter in der laufenden Börsenhausse beobachtet, bleiben die Zentralbanken meist ihrer Politik des tieferen Zinssatzes verpflichtet, gerade dann, wenn es doch irgendwie „eng“ zu werden droht. So hat wohl auch die US-Federal Reserve festgestellt, dass ihre Politik der „Normalisierung“, die sie seit etwas über 18 Monaten verfolgt hat, vielleicht eine Spur zu normal geworden ist. Als sie zu Beginn des Juni, nach dem eher schwachen Börsenmonat Mai, sich wieder zu einer Neubewertung ihrer Politik veranlasst sah, atmeten die Märkte wieder richtiggehend auf und starteten eine Zwischenerholung, allein vor diesem Hintergrund. Ein ganz ähnliches Szenario hat sich für die Europäische Zentralbank abgespielt. Auch die Chinesische Zentralbank ist ja seit Jahresanfang wieder wachstumsfördernd im Markt aktiv. Seit dem G 20-Treffen Ende Juni ist auch wieder mehr Hoffnung auf eine mehr oder minder zeitnahe Einigung im Handelsstreit aufgekommen.

Der Weltaktienindex MSCI legte seit Jahresstart um 15.6% zu, der amerikanische S&P 500 um 17.4%, der Dow Jones Index um 14.0% sowie der Technologieindex Nasdaq Composite um 20.7%. Die europäischen Börsen verzeichneten ebenfalls vergleichbare Zuwächse, so der deutsche DAX (+17.4%), der britische Markt (+9.9%), Frankreich (+17.1%) und der breit gefasste Eurostoxx 600 (+14.0%). Die Schweizer Börse (SMI) gehörte auch zu den besten Handelsplätzen, mit einem Indexgewinn von +17.4%. In Asien stieg der chinesische Markt um sehr gute 21.9%, gefolgt von Hong Kong mit +10.4% und Japan mit bescheidenen +8.6%. Die detaillierte Übersicht über die Börsenindices befindet sich in der Beilage 1.

Die Sektor- bzw. Branchenbetrachtung vermittelt (ausgedrückt im CHF) einmal mehr ein heterogenes Bild, allerdings konnten alle Sektoren zulegen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmass. Technologie- und stabile Konsumgütervaloren verzeichneten überdurchschnittliche Zuwächse, abgehängt wurden Bankaktien, die Titel der Versorger und des Gesundheitssektors.

Die eingangs beschriebenen Ereignisse führten zu weiteren deutlichen Renditerückgängen bei den 10-jährigen US-Staatsanleihen auf 2.0% (Jahresendstand 2018: 2.84%), während die deutschen staatlichen Anleihen nach wie vor (zuletzt 2016) wieder im negativen Bereich bei -0.3% handeln versus dem Jahresendstand 2018 bei 0.24%, die Eidgenossen bei -0.53% gegenüber 0.0% per Ende 2018.

Der US$ erstarkte gegenüber allen wichtigen Handelswährungen in der (engen) Bandbreite von +1- 2%. Der Goldpreis legte im Jahresverlauf um 10% zu (dank einem starken Juni), wogegen sich der Ölpreis (nach einem veritablen Auf und Ab) um 20% verteuerte.

Standortbestimmung

Die jüngste Abkehr der US-Zentralbank von weiteren Zinserhöhungen hat die Investoren an den Aktienmärkten überrascht und erfreut. Steht eine erneute Verlängerung der bereits lange laufenden Aktienhausse an? Leicht schwächere Konjunkturdaten bei angespannten Arbeitsmärkten rechtfertigen aus US-Sicht die weitere monetäre Lockerung. Dies dürfte solange aufgehen, als sich keine Inflationszeichen melden. Offenbar ist für die US-Fed trotz des engen Arbeitsmarktes (mit gewissem inflationärem Potential) die Kehrtwende in der Geldpolitik die geeignete Massnahme. Damit dürften die vorteilhaften Finanzierungsbedingungen (tiefe Zinsen) weiterhin anhalten, die Renditen nach wie vor im tiefen (und teilweise negativen Bereich) verharren, aber die Sachanlagen, wie Aktien und Immobilien, nach wie vor profitieren.

Das monetäre Umfeld scheint also sehr gut zu bleiben, erkennbare Krisenfaktoren gibt es keine, dauert also dieses sog. „Goldilocks“-Szenario weiter an? Es fehlt durchaus nicht an (den bereits hinlänglich bekannten) negativen Enflussfaktoren, die das Bild wieder durcheinanderbringen könnten. Jedoch lohnt sich zur Illustration ein Blick nach Japan, das bereits seit über 20 Jahren mit der Nullzinspolitik Erfahrung sammelt. Am Anfang wurde die Nachfrage mit expansiver Geldpolitik angekurbelt, dann verpuffte die Wirkung zusehends. Zusätzlich dazu altert Japan, und auch Europa, recht zügig, die demographischen Voraussetzungen für eine weitere wirtschaftliche Expansion sind also eingeschränkt. Die Voraussetzungen für eine anhaltende Tiefzinspolitik scheinen damit gegeben.

Ausblick

Für die weitere Entwicklung der Finanzmärkte beurteilen wir die verschiedenen Chancen und Risiken in folgender Weise:

Chancen:

  • Geldpolitische Lockerung ist zum wiederholten Mal angesagt und treibt die Aktienkurse weiter. Der Handelskonflikt USA-China entschärft sich im Verlauf des Herbstes.
  • Die lockere Geldpolitik, die fiskalpolitischen Stimulierungsmassnahmen seitens der chinesischen Regierung und das anhaltend hohe Beschäftigungswachstum in den wichtigsten Industrieländern werden die Wirtschaft wieder stützen, eine Rezession ist nicht zu erwarten.
  • Die Bewertungen der Aktien sind regional uneinheitlich, die US- und manche Schweizer Aktien sind im historischen Vergleich eher teuer, die europäischen und asiatischen Märkte befinden sich auf den langfristigen Durchschnittswerten. Weiteres Potential besteht in den Schwellenländern.

Risiken:

  • Nach der Erholung des ersten Halbjahrs ist ein Zwischenhoch der Indizes erreicht. Eine geradlinige Fortsetzung dieses Trends ist nicht zu erwarten. Der über 10-jährige Börsenzyklus ist bereits weit fortgeschritten.
  • Die Unternehmensresultate könnten durch eine Konjunkturdelle tiefer ausfallen, in diesem Falle wären die Kurse der Realität doch etwas vorausgeeilt.
  • Höhere Rohstoffpreise wirken in der Regel konjunkturdämpfend.

Anlagepolitische Konklusionen:

  • Trotz aller Vorbehalte scheinen Aktien und Immobilien die verbliebenen Sachanlagen mit echtem Wertsteigerungspotential zu bleiben. Gewisse zyklische Schwankungen sind dabei in Kauf zu nehmen.
  • Qualitätsaktien aus den Sektoren Energie, Konsum, Industrie und Technologie bilden nach wie vor grundlegende Bestandteile unserer diversifizierten Aktienportfolios. Dividendenstarke Titel sind bevorzugt (auch zur Kompensation eines ausbleibenden Zinsertrags).
  • Wandelanleihen weisen ein günstiges Ertrags-/Risikoverhältnis auf, sie bieten einen Zinsertrag, in Verbindung mit einem indirekten Aktienengagement.
  • Festverzinsliche Anlagen bleiben angesichts der tiefen Renditen und der Zinsänderungsrisiken (zu Gunsten der Liquidität) deutlich untergewichtet. Für kürzere Laufzeiten können USRenten in Erwägung kommen.
  • Die Goldanlagen dienen weiterhin als „Risikopuffer“. Wir gehen von einer momentanen Unterbewertung aus, die durch die Tiefzinspolitik der Zentralbanken weitgehend vorgegeben wird.

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