Anlagepolitik 2. Quartal 2026

Rückblick

Im ersten Quartal kam es zu einer Kumulation geopolitischer Verwerfungen, darunter die militärische US-Intervention in Venezuela, die plötzlich erhobenen Gebietsansprüche der Vereinigten Staaten auf Grönland sowie der Angriff von Israel und der USA auf den Iran. Letzterer wirkte sich auch auf diverse Nachbarstaaten im Nahen Osten aus, verbunden mit der Sperrung der Meerenge von Hormus, die der weltweit wichtigste Engpass für Erdöl- und Flüssigerdgas-Exporte darstellt. Die Finanzmärkte, die noch bis Februar vergleichsweise freundlich tendierten, erlebten deshalb im März deutliche Kursrückschläge, weil die Sorge aufkam, dass sich der Krieg ausweiten und eine mögliche Eskalationsspirale dann zu nachhaltig steigenden Energiepreisen führen könnte.

Der Weltaktienindex MSCI büsste im ersten Quartal -3,9% ein, der US-Technologieindex Nasdaq Composite -7,1%, der breitgefasste S&P500 verlor -4,6%. In Europa verzeichneten die führenden Indices ebenfalls Einbussen, der repräsentative STOXX Europe 600 mit -3,4%, der Dax verlor -7,4%. Der Schweizer SPI entwickelte sich mit -2,1% vergleichsweise stabiler. Die Märkte in Asien zählen im bisherigen Jahresverlauf zu den besten Performern, insbesondere in den ersten zwei Monaten; so stieg der japanische Nikkei um +6,5%, Hongkong fiel leicht um -1,1% sowie China mit -0,6%.

Das Sektor- bzw. Branchenbild zeigt eine überdurchschnittliche Wertentwicklung bei Energie-, Grundstoff- und Telekommunikationswerten, dagegen blieben Aktien der Bereiche Konsumgüter und Finanzdienstleister zurück.

Der Festverzinsliche Bereich verzeichnete einen generell steigenden Zinstrend, ausgelöst von wachsenden Inflationssorgen wegen höherer Energiepreise. Die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen stiegen auf 4,4% (Jahresendstand 2025: 4,2%), die deutschen Bundesanleihen rentierten 3,1% (2,9%), die Schweizer Eidgenossen lagen zu Quartalsende bei 0,38% (0,29%).

Der US-Dollar stabilisierte sich, nach der deutlichen Abwertung im Vorjahr, und notierte gegenüber dem Euro und CHF leicht höher.

Der Goldpreis unterlag heftigen Kursschwankungen auf beide Seiten, letztlich erhöhten sich die Notierungen um rund 6%. Der Ölpreis wurde vor dem Hintergrund des Krieges im Nahen Osten um 70% nach oben katapultiert.

Standortbestimmung

Mit zunehmender Zeitdauer des Iran-Konfliktes und der damit verbundenen Verunsicherung von Konsumenten und Unternehmen erhöhen sich die Rezessionsrisiken mit entsprechend negativer Auswirkung auf die internationalen Kapitalmärkte. Somit müssen die ursprünglich gehegten Erwartungen an rückläufige Inflationsraten und sinkende Zinsen revidiert werden. Mittlerweile erwartet der Konsensus der Marktteilnehmer bis zu drei Zinserhöhungen (Europa) bis Jahresende. Bei einer skeptischen Betrachtung könnte sich bei einer Verhärtung des Konfliktes durchaus ein stagflationäres Szenario ergeben, also ein Umfeld mit wirtschaftlicher Stagnation, gepaart mit anhaltendem Preisdruck. Die Zentralbanken stünden dann im Spannungsfeld, die Inflation und gleichzeitig die Wachstumsschwäche zu bekämpfen.

Die rezessiven Kräfte ergeben sich aus der Verunsicherung von Unternehmern und Verbrauchern, die Investitionen und den Konsum so lange vertagen, bis mehr Klarheit über künftige Geschäftsmöglichkeiten bzw. die Arbeitsplatzsicherheit besteht.

Bemerkenswerterweise hat Trumps Zollkrieg der Weltwirtschaft insgesamt bisher wenig geschadet. Die globale Wirtschaftsleistung wuchs im vergangenen Jahr um 3,3% und somit leicht höher als im Vorjahr. Somit hat sich der Angriff auf das regelbasierte internationale Handelssystem für die USA bisher nicht ausgezahlt. Interessant ist dabei die Feststellung, dass die erhobenen Zölle in erster Linie von den US-Importeuren sowie den amerikanischen Konsumenten bezahlt wurden.

Ausblick

Für die weitere Entwicklung der Finanzmärkte beurteilen wir die verschiedenen Chancen und Risiken in folgender Weise:

Chancen:

  • Ein baldiges Ende der Militäraktionen im Nahen Osten würde zu einer deutlichen Entspannung bei den Energiepreisen führen, zumal im Grundsatz ein genügend hohes Angebot vorhanden ist.
  • Die Unternehmensresultate fallen insgesamt leicht über den Erwartungen aus und bilden eine Stütze für die Börse.
  • Mit einer Entkrampfung bei den US-Zöllen würde ein latentes Unsicherheitselement wegfallen.

Risiken:

  • Eine Eskalationsspirale des Iran-Konflikts und eine Ausweitung auf weitere Länder birgt erhebliche Rezessionsrisiken und anhaltend hohe Energiepreise für die Weltwirtschaft.
  • Ein „Stagflations“-Szenario wäre für die Finanzmärkte – zumindest historisch gesehen – das schlechteste wirtschaftliche Umfeld.
  • Die massiven Investitionsausgaben für künstliche Intelligenz (88% des operativen Cash Flows 2026 der 5 grossen US-Technologieunternehmen) lässt Befürchtungen auf mögliche Fehlallokationen aufkommen.

Anlagepolitische Konklusionen:

  • Aktienengagements werden im unteren Bereich der definierten Bandbreiten gehalten. Eine offensive Positionierung drängt sich im aktuellen Zeitpunkt der überdurchschnittlich hohen Unsicherheiten nicht auf.
  • Qualitätsaktien von Unternehmen mit hoher Preissetzungskraft, solider Ertragskraft und gesunden Bilanzen, sowie eine vernünftige Diversifikation über verschiedene Sektoren, bilden den Kern unserer Portfolios.
  • Festverzinsliche Anlagen fokussieren auf beste Bonitäten und kurze bis mittlere Restlaufzeiten.
  • Wir halten trotz der mittlerweile deutlichen Kursanstiege an den bestehenden Gold-Engagements fest. Wir sehen im Gold nach wie vor eine klassische «Absicherung» gegen verschiedene Risiken.

Beilage 1