Anlagepolitik 2. Quartal 2021

Rückblick

Nach dem fast turbulenten Aktienjahr 2020 durfte man auf den Jahresauftakt und das erste Quartal gespannt sein. Die Ausgangslage schien sich doch gebessert zu haben, denn nicht nur die gewaltigen Finanzmittel der Regierungen begannen Wirkung zu zeigen, sondern es standen mit den neuen Impfmitteln der aktiven Bekämpfung des Virus (fast) nichts entgegen. Allerdings kam es dann doch etwas anders als erwartet. Die neuen Virusmutanten sorgten seit Jahresanfang wieder für neue anlaufende Ansteckungswellen und die Impfquote war nicht an allen Orten gleich hoch. Zusätzliche negative Impulse durch die anziehende Inflation sorgten auch für neue Bedenken, ob die Politik des ultra-lockeren Geldes nach wie vor Bestand haben könne. Nach zwei sehr verhaltenen Monaten kristallisierte sich heraus, dass die Wirtschaftskraft der wichtigsten Länder kräftige Erholungssignale sendete und das die Impfkampagnen doch mit mehr Momentum unterwegs waren als vorübergehend gedacht. So sieht es ganz danach aus, dass selbst im langsam agierenden Europa die Impfdurchdringung noch vor dem Sommer den Höhepunkt erreichen werde. Vor diesem Hintergrund erwies sich der März (für die meisten Länder) als ein sehr guter Börsenmonat.

Der Weltaktienindex MSCI stieg im ersten Quartal um +4.5%, der amerikanische S&P 500 um +5.8%, sowie der Technologieindex Nasdaq Composite um +2.8%. Die europäischen Börsen profitierten von den sehr guten monetären und fiskalischen Rahmenbedingungen, so stieg der deutsche DAX kräftig (+9.4%), der französische Markt konnte damit gut mithalten (+9.3%), der breit gefasste Eurostoxx 600 (+7.7%) zeigte sich auch stark erholt. Die Schweizer Börse war im Quervergleich mit einem Indexge­winn von +5.2% (SPI) etwas verhalten. In Asien verlief der chinesische Markt (Shanghai SSE) mit -0.5% enttäuschend, ist er doch nach einem zwischenzeitlichen Hoch wieder auf dem Boden gelandet. Japan verlängert den guten Lauf des Vorjahres (+7.1%), Hongkong ist auch mit von der Partie (+5.4%). (Die detaillierte Übersicht über die Börsenindizes befindet sich in der Beilage).

Die Sektor- bzw. Branchenbetrachtung zeigt überdurchschnittliche Zuwächse bei den Aktien der Energie- (+22%) und der Finanzbranche (+13.6%). Darauf folgten die Aktien der Kommunikations- und der Industriebranche (mit jeweils über +8%). Auf die Branchen der Grundstoffe (+5.7%) und des zyklischen Konsums (+4.4%) folgte erst die Technologie (+3.4%). Die Gesundheitsbranche, sowie die Branche der Versorger und des Basiskonsums enttäuschten mit Werten um die Null bis leicht negativ.

Die Renditen auf Staatsanleihen setzten ihren Anstieg auch im ersten Quartal fort, mit teilweise überraschenden Fortschritten. Die 10-jährigen US-Staatsanleihen nahmen dabei die Führung ein, bei einem starken Zuwachs von fast 80 Basispunkten verzeichneten sie eine Rendite von 1.75% bei (noch) leicht ansteigender Tendenz, dagegen gab es bei den deutschen Staatsanleihen und die Eidgenossen deutlich kleinere Zuwächse von ca. 20 Basispunkten, dadurch stiegen die (immer noch) negativen Renditen auf (leicht bessere) Niveaus von ca. –0.3%.

Der USD stoppte im ersten Quartal den Negativtrend des Vorjahres und legte zu den wichtigsten Währungen wieder zu. Zum Euro resultierte dabei ein Plus von knapp 4%, zum Franken eines von 6%. Vor dem Hintergrund der starken Märkte (Aktien, Zinsen und auch der Währungen) verlor diesmal das Gold etwa 10% im ersten Quartal. Dagegen stieg der Ölpreis zum Quartalsende mit einem stattlichen Plus von 20% an.

Standortbestimmung

Nach anfänglichen Unsicherheiten blicken die Finanzmärkte auf ein recht zufriedenstellendes erstes Quartal zurück. Es scheint sich eine wirtschaftliche Erholung unmittelbar dort anzudeuten, wo die Impffortschritte bedeutend sind. Für den weiteren Verlauf der Erholung wird ein deutlich höheres Impftempo bei den etwas zurückgebliebenen Ländern (wie die EU und die Schweiz) große Bedeutung gewinnen. Erst davon wird die Abfolge von Lockerungs- und Öffnungsschritten klar werden können. Die erwarteten Wachstumsraten für die großen Volkswirtschaften wie etwa China und die USA sind auch dementsprechend deutlich höher als die von Europa. Je nach Ausgangslage haben aber die wichtigsten Zentralbanken ihre Bereitschaft zum Aufrechterhalten, teilweise sogar zum Ausweiten, ihrer außerordentlich großzügigen Geldpolitik wiederholt. Zusätzliche Fiskalimpulse, wie etwa in den USA, beschleunigen das Wachstum. Damit dürften die guten Aussichten auf lange Zeit gesichert sein.

Die wirtschaftlichen Frühindikatoren, wie etwa die Bestelleingänge für die verarbeitende Industrie, signalisieren starkes globales Wachstum. Gewisse Sorgenfalten verbleiben jedoch wegen der möglichen Lieferengpässe für bestimmte Güter und nach wie vor bestehender Einschränkungen durch die Covid-Situation. Die Unterbrechung der Lieferketten und der stark gestiegene Bedarf an Halbleitern sorgen auch für bestimmte Wachstumssorgen. Weiterhin verharren bestimmte Länder, wie manche der Schwellenländer, unverändert in einer wachstumsbedrohenden und prekären Lage. Nicht nur durch die Pandemie, sondern etwa auch durch ihren hohen Schuldenstand droht ihnen Unbill. Unter Umständen müssen sie gerade zur Unzeit wieder restriktivere Maßnahmen ergreifen.

Die Rahmenbedingungen für gute Finanzmärkte sind allerdings nach wie vor intakt, für gewisse Zeit bleiben die Zentralbanken noch kräftig auf dem Gaspedal. Momentan zählt der Markt auch darauf, dass sich die teilweise hohen Bewertungen der Unternehmen und Märkte durch fortbestehendes Wachstum rechtfertigen lassen.

Ausblick

Für die weitere Entwicklung der Finanzmärkte beurteilen wir die verschiedenen Chancen und Risiken in folgender Weise:

Chancen:

  • Die ausserordentlichen geldpolitischen Lockerungen tragen die bisherigen Börsenverläufe stark mit. Diese Entwicklung dürfte anhalten.
  • Für die weltwirtschaftliche Erholung ist der rasche Erfolg der Impfkampagne zentral.
  • Die Bewertungen der Aktien sind nach dem zwischenzeitlichen Anstieg eher im oberen Bereich. Für deren Rechtfertigung ist eine starke Gewinnentwicklung der Unternehmen richtungsweisend.

Risiken:

  • Das Virus erweist sich als hartnäckiger als gedacht, die schwer kalkulierbaren Mutationen machen es der laufenden Impfkampagne schwer. Das Wachstum verzögert sich substantiell.
  • Die Bewertung der Märkte erweist sich als Ballast. Die Gewinne können nicht mithalten. Weitere Stimulierung durch Regierungen und Zentralbanken verpufft möglicherweise.
  • Geopolitische und logistische Risiken können die Erholung deutlich beeinträchtigen.

Anlagepolitische Konklusionen:

  • Die bestehende, wohlausgewogene Allokation ohne Übergewichtung der Aktienquote wird beibehalten. Trotz aller Vorbehalte scheinen Aktien und Immobilien die verbliebenen Sachanlagen mit realem Wertsteigerungspotential zu bleiben. Die Sektorrotation hat bis jetzt die zyklischen Titel begünstigt.
  • Qualitätsaktien aus den Sektoren Konsum, Industrie und Technologie bilden nach wie vor grundlegende Bestandteile unserer diversifizierten Aktienportfolios. Dividendenstarke Titel sind bevorzugt (auch zur Kompensation eines ausbleibenden Zinsertrags).
  • Wir schätzen die Wandelanleihen weiterhin wegen ihrer Anpassungsfähigkeit an verschiedene Marktlagen.
  • Festverzinsliche Anlagen bleiben angesichts der nicht zufriedenstellenden Renditen deutlich untergewichtet. Das Risiko einer deutlichen Zinswende halten wir für klein, dies haben die Zentralbanken jüngst wieder klar unterstrichen.
  • Die Goldengagements bilden, trotz rückläufiger Preisentwicklung im ersten Quartal, einen unverändert wesentlichen Portfoliobestandteil. Das Gleiche gilt für die Rohstoffe.

Beilage 1

Quelle: UBS Quotes

 

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