Anlagepolitik 1. Quartal 2021

Rückblick

Insbesondere die starken positiven Bewegungen der letzten zwei Monate erlösten die Anleger 2020 von ei­nigen sehr durchwachsenen Vormonaten. Im schwierigen Jahr 2020 waren logischerweise auch die Finanzmärkte vom Virus belastet. Wiederholte Erholungsversuche im Jahresablauf basierten auf den verabreichten Unterstützungen durch die öffentliche Hand und an der weit ausgestreckten hel­fenden Hand der Zentralbanken. Der nüchterne Blick auf manche Indexstände verleitet am Jahres­ende dazu, von einem ganz „normalen“ Jahr zu sprechen, dies hiesse aber, die deutlichen Kursaus­schläge zu übersehen. Der erste Corona-Schock wurde relativ rasch ab­gefedert, der baldige Aufschwung etwas verfrüht ausgerufen. Bis zum Herbst verharrten die Märkte anschliessend in einer leichten Negativeinstellung, die sich rasch verbesserte, als die ersten Nachrichten über die Vakzine be­kannt wurden. In Folge erreichten im Aufschwung manche Märkte oder Teilmärkte neue Rekordmar­ken, die aber jeweils nicht von der ganzen Marktbreite, sondern von sehr ausgewählten Titeln getragen wurden.

Der Weltaktienindex MSCI stieg im laufenden Kalenderjahr um +14.1%, der amerikanische S&P 500 um +16.3%, sowie der Technologieindex Nasdaq Composite um +43.6%. Die europäischen Börsen blie­ben im Vergleich dazu zurück und machten kaum Boden gut, der deutsche DAX (+3.5%) vermochte sich etwas abzuheben, der französische Markt dagegen fiel zurück (-7.1%), der breit gefasste Eurostoxx 600 (-5.1%) war nur knapp besser. Auch die Schweizer Börse konnte sich im Quervergleich mit einem Indexge­winn von +3.8% (SPI) sehr gut behaupten. In Asien stieg der chinesische Markt (Shanghai SSE) um +14.8%, angeführt von Japan mit +16.0%, Hongkong war dagegen abgeschlagen bei -3.4%. (Die detaillierte Übersicht über die Börsenindizes befindet sich in der Beilage 1, die Kommentierung der anlagepolitischen Thesen für 2020 in der Beilage 2, und die Thesen für 2021 in der Beilage 3.)

Die Sektor- bzw. Branchenbetrachtung zeigt überdurchschnittliche Zuwächse bei den Tech­no­logie- bzw. Biotech-Aktien. Die Finanz-, aber auch die Immobilienwerte, blieben hinter dem Markt zurück. Die schlechteste Phase hatten die Energietitel mit einem Taucher von fast 40% zum Jahresende, zwi­schen­durch hatte es noch schlechter ausgesehen. Innerhalb der Sektoren konnte es aber zu deutli­chen Unterschieden auf der Titelstufe kommen. Auch dieses Jahr gab es bemerkenswerte Out­per­former (wie etwa Zoom, Tesla).

Die Renditen auf Staatsanleihen verharrten seit dem Kursrutsch im späten Frühjahr vor dem Hintergrund der Risikobereitschaft der Anleger zu Gunsten der Aktien auf ihren Tiefständen. Die 10-jährigen US-Staatsanleihen verzeichneten eine Rendite von zwischen 0.75%-0.95% bei leicht ansteigender Tendenz (Jahresendstand 2019: 1.8%), während die deutschen Staatsanleihen und die Eidgenossen unverändert im negativen Bereich bei ca. –0.5% handelten.

Die langjährige Stärke des USD drehte sich im 2020 in eine Schwäche gegenüber den wichtigsten Währungen (der Verlust zum Euro stellte sich auf rund 10%) um. Vor dem Hintergrund wachsender politischer Unsicherheiten und der tiefen Zinsen stieg der Goldpreis um +22% an, der Ölpreis stand am Jahresende bei einem Minus von 23%. Vorübergehende Tiefstände waren erst im Jahresverlauf markiert worden, seit dem Herbst hat sich der Preis deutlich erholt.

Standortbestimmung

Das außergewöhnliche Jahr 2020 ließ manche Ereignisse wahr werden, die vorher fast nicht vorstellbar waren. Wird das Folgejahr auch von vollkommen unerwarteten Wendungen geprägt sein? Zum Jahresbeginn besteht trotz der laufenden zweiten/dritten Corona-Welle ein breiter Konsens darin, dass die Impfung mit der Zeit das Virus unschädlich machen wird. Schrittweise wird die Wirtschaft wieder hochfahren können. Bis die Schäden der verschiedenen Lockdowns beseitigt werden, wird allerdings noch ein gewisser Zeitrahmen verstreichen, aber die unmittelbare Wirkung der aufgestauten Nachfrage wird bedeutend sein. Schließlich liegen die in den verschiedenen Lockdowns nicht ausgegebenen Gelder noch auf „Halde“ und warten darauf, abgerufen zu werden. Die Nachfrage nach den hoffentlich bald wieder verfügbaren Gütern (Reise, Freizeit etc.) dürfte enorm ansteigen.

Nach den starken staatlichen Eingriffen während der Corona-Zeit stellt sich jedoch die Frage, wie man wieder den Ausstieg aus (dem Einstieg) dieser präzedenzlosen Politik finden wird. Permanente Unterstützung aller möglichen Wirtschaftssektoren, wie sie während der Lockdown-Zeit breit zur Verfügung gestellt wird, kann wohl nicht die Norm werden. Spätestens dann, wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage wieder stark ansteigt, sind die unterstützenden Maßnahmen der Zentralbanken zurückzufahren. Rückkehr der Inflation ist wohl nur eine Frage der Zeit.

Die Rahmenbedingungen für gute Finanzmärkte scheinen allerdings nach wie vor intakt zu sein, für gewisse Zeit ist mit akkomodativen Zentralbanken zu rechnen. Jedoch ist in einem Börsenboom früher oder später damit zu rechnen, dass die Bewertungen der Unternehmen und Märkte ein stärkeres Gewicht bekommen. Übertriebene Erwartungen auf steigende Kurse an den Börsen finden dann dünne Luft vor.

Ausblick

Für die weitere Entwicklung der Finanzmärkte beurteilen wir die verschiedenen Chancen und Risiken in folgender Weise:

Chancen:

  • Die ausserordentlichen geldpolitischen Lockerungen haben im vergangenen Jahr zu einer starken Erholung beigetragen, sie dürfte vorerst anhalten.
  • Für die weltwirtschaftliche Erholung ist der Erfolg der beginnenden Impfkampagne zentral.
  • Die Bewertungen der Aktien sind nach dem langen Anstieg eher im oberen Bereich. Für einen Fortbestand der guten Ausgangslage wäre eine solide Gewinnentwicklung der Unternehmen richtungsweisend.

Risiken:

  • Das Virus erweist sich als hartnäckiger als gedacht. Die Impfungen bringen bedeutend weniger als erhofft. Das Wachstum verzögert sich substantiell. Die Inflation kehrt trotz aller Beteuerungen zurück.
  • Die Bewertung der Märkte erweist sich als Ballast. Die Gewinne können nicht mithalten. Weitere Stimulierung durch Regierungen und Zentralbanken verpufft möglicherweise.
  • Geopolitische Risiken sind in der Zwischenzeit nicht verschwunden.

Anlagepolitische Konklusionen:

  • Die bestehende, wohlausgewogene Allokation ohne Übergewichtung der Aktienquote hat sich auch 2020 gut bewährt. Trotz aller Vorbehalte scheinen Aktien und Immobilien die verbliebenen Sachanlagen mit realem Wertsteigerungspotential zu bleiben. Mit zyklischen Schwankungen ist dabei zu rechnen.
  • Qualitätsaktien aus den Sektoren Konsum, Industrie und Technologie bilden nach wie vor grundlegende Bestandteile unserer diversifizierten Aktienportfolios. Dividendenstarke Titel sind bevorzugt (auch zur Kompensation eines ausbleibenden Zinsertrags).
  • Wir schätzen die Wandelanleihen weiterhin wegen ihrer Anpassungsfähigkeit an verschiedene Marktlagen.
  • Festverzinsliche Anlagen bleiben angesichts der nicht zufriedenstellenden Renditen deutlich untergewichtet. Das Risiko einer deutlichen Zinswende halten wir für klein, wobei wir das US-Signal bei den Staatsanleihen aus dem vergangenen Sommer ernst nehmen.
  • Die Goldanlagen haben einen sehr guten Performancebeitrag geleistet. Erdöltitel haben jedoch enttäuscht. Nur bei einem deutlich höheren Ölpreis können sie Vertrauen zurückgewinnen. Die übrigen Rohstofftitel haben sich bewährt.

 

Beilage 1

                                                        US Staatsanleihen

 

Anlagepolitische Thesen 2020 / Kommentierung Januar 2021 (Beilage 2)

Wir erwarten ein US-Wachstum auf solidem Niveau und eine Rückkehr zu höherem Wachstum in Europa als auch in China.
Diese Konjunkturprognose erwies sich vor dem Hintergrund der Pandemie bzw. deren Auswirkungen auf die Wirtschaftsaktivitäten als obsolet.

  1. Weltpolitische Spannungen können an den Finanzmärkten vorübergehende Korrekturen auslösen, von einer nachhaltigen und anhaltenden Belastung ist jedoch nicht auszugehen
    Der Einfluss der Pandemie überschattete alle anderen Einflussfaktoren.
  1. Die Zentralbanken dominieren mit ihrer Liquiditätspolitik die Märkte. Die Inflation bleibt nach wie vor sehr tief. Das Zinsänderungs­risiko ist sehr gering. Festverzinsliche Anlagen bleiben in diesem Umfeld nicht attraktiv.
    Die Zentralbanken haben ihre ultraexpansive Geldpolitik noch verstärkt, die Prognose war insgesamt zutreffend.
  1. Die Aktienmärkte haben im vergangenen Jahr eine sehr gute Entwicklung gezeigt Eine Beruhigung der Kursverläufe wäre nach dem starken Anstieg angebracht. Wir gehen nach wie vor von insgesamt positiven, aber im Vergleich zu 2019 tieferen, Gesamtrenditen aus.
    Die überaus starke Erholung der Aktienmärkte, nach dem kürzesten und stärksten Kurseinbruch der Geschichte, liess die meisten Indizes nahe der Jahresendstände von 2019 schliessen. Die US- und Teile der asiatischen Börsen verzeichneten positive Wertent­wicklungen.
  1. Zu Aktien gibt es nach wie vor keine Alternative, ausser Immobilien und Gold. Anleger stehen weiterhin im Spannungsfeld zwischen TINA („there is no alternative“) und FOMO („fear of missing out“).
    Diese Aussage war und bleibt zutreffend.
  1. Gold behält seinen Charakter als „Absicherung“, wir erwarten einen positiven Verlauf.
    Gold weist für das Jahr 2020 einen erneuten positiven Kursverlauf von rund +22 % aus.

 

Anlagepolitische Thesen 2021 (Beilage 3)       

  1. Wir erwarten im Verlaufe des Jahres weltweit eine kräftige konjunkturelle Erholung.
  2. Die Zentralbanken werden ihr Versprechen einer langanhaltenden Niedrigzinspolitik und einer nötigenfalls nochmals aufgestockten quantitativen Lockerungspolitik umsetzen.
  3. Die Renditen langlaufender Anleihen werden wegen steigender Inflationserwartungen leicht ansteigen.
  4. Die Aktienmärkte haben einen guten Teil der erwarteten wirtschaftlichen Erholung bereits eingepreist. Wir erwarten insgesamt leicht positive Gesamtrenditen.
  5. Gold behält seine Funktion als klassische „Absicherung“ bei, der Kursanstieg wird jedoch im Vergleich zum Vorjahr tiefer ausfallen.